vom Saker


“Eine geeinte, föderale, nazifreie Ukraine? Bitte, dieser Zug ist schon lang abgefahren. Jetzt ist das reine Fantasie.”

Andreas Walsh

An diesem Thema trennen sich viele ernsthafte und gute Leute voneinander, und selten sehe ich, dass es direkt angesprochen wird. Dennoch ist es entscheidend. Heute möchte ich es geradewegs angehen.

Das realistische Argument (erste Version)

Wie Otto von Bismarck sagte, “Politik ist die Wissenschaft des Möglichen.” Es ist gut und schön, auf das Beste zu hoffen, aber sofern man nicht an Wahnvorstellungen leidet oder sich dem magischen Denken ergibt, muss man sich auf das Schlimmste vorbereiten und mit irgend etwas in der Mitte zufrieden geben. Es gibt eine Menge Konflikte, die in irgendeinem Kompromiß endeten, der keiner Seite gefällt, aber den beide Seiten akzeptieren, weil die Alternative noch schlimmer wäre. Und, wie es Andreas Walsh zutreffend bemerkt, eine “geeinte, föderale, nazifreie Ukraine” (um Beslers Worte zu gebrauchen) ist eine ziemlich große Bestellung. Tatsächlich gibt es deutliche Zeichen, dass die Unterstützung für die sogenannte “Anti-Terror-Operation” (ATO) *steigt*, dass die Zombiefizierung der ukrainischen Bevölkerung sehr erfolgreich ist. Vor zwei Tagen etwa habe ich eine weitere Videokonferenz zwischen einigen Kiewer Bürgern und einigen Bürgern aus Donezk gesehen, und ich war entsetzt, zu sehen, dass die Kiewer noch immer allen Ernstes davon sprachen, die “russische Armee sei an den Kämpfen in Novorossija beteiligt”. Was die neueste Ukie-Rada angeht, so ist sie vollgestopft mit Nazi-Feldkommandeuren, Anführern von Todesschwadronen, eindeutigen Nazipolitikern und, natürlich, Oligarchen. In Wahrheit gibt es keine Anzeichen auch nur einer leichten Entnazifizierung der Ukraine, ganz im Gegenteil, alle Zeichen deuten auf eine schnelle und heftige Nazifizierung der ukrainischen Gesellschaft.

All das ist wahr, aber es ist nur ein Ausschnitt des Bildes. Ein kleiner Ausschnitt.

Das realistische Argument (zweite Version)
Das grosse Problem mit dem realistischen Argument weiter oben ist, dass es nur auf die nahe Zukunft blickt. Schlimmer, es antwortet auf die falsche Frage, die wäre: “gibt es Zeichen der Entnazifizierung in der Ukraine oder nicht?” Die richtige Frage ist eine völlig andere, nämlich diese: “ist ein Nazi-Regime in der Ukraine lebensfähig?” Das ist auch ein realistisches Argument, meiner Ansicht nach realistischer als das erste. Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Antworten auf Unterfragen finden:

a) ist ein Naziregime in der Ukraine im inneren lebensfähig? Das heisst, könnte ein Nazi-Regime in der Ukraine an der Macht bleiben, unter den besten äußeren Umständen? Praktisch bedeutet das: können die Nazis die völlige “Somalisierung” dessen, was von der Ukraine übrig ist, verhindern? Könnten sie, genug Unterstützung aus dem Ausland vorausgesetzt, irgend eine Form von Staatlichkeit stabilisieren und irgendwie wieder aufbauen?

b) selbst wenn ein Nazi-Regime in Kiew lebensfähig wäre, können die Länder um die Ukraine herum eine Nazi-Ukraine als langfristigen Nachbarn akzeptieren? Schließlich wurde Hitler nie aus dem Amt gewählt, es brauchte die Sowjetarmee (mit etwas später Unterstützung durch die Anglo-Mächte), um ihn loszuwerden. Ich möchte sagen, dass es einige Regimes gibt, die so schrecklich sind, dass sie niemand akzeptieren kann (ISIS beispielsweise).

Fangen wir mit der ersten Frage an.

weiterlesen in der Quelle: http://www.vineyardsaker.de/ukraine/ist-besler-wirklich-naiv/

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