Wie können ganze Bevölkerungen gelenkt werden?

Im Internet kursiert eine geschlossene Auflistung von „10 Strategien der Manipulation“. Gemeint sind Strategien zur Lenkung ganzer Bevölkerungen. Als Autor wird mancherorts ein gewisser Sylvain Timsit benannt, anderenorts endet eine Suche wiederum beim französischsprachigen interdisziplinären Journal Les cahiers psychologie politique und als Autor wird Noam Chomsky aufgeführt.

Jascha Jaworski 10.08.2013

Wer die Strategien letztlich umrissen hat, soll hier jedoch nicht mein Thema sein. Ob sie ursprünglich primär satirisch gemeint waren oder nicht, soll mir ebenfalls weniger bedeutsam sein. Entscheidender ist, dass die Strategien relativ schlicht, plausibel und – bei ein wenig Alltagsdistanz – gut beobachtbar scheinen. Hier dürften besonders jene Menschen zustimmen, die das politische Geschehen nicht allein durch Rückgriff auf die Mainstreammedien mit ihrer fragmentierten Themenauswahl und ihrem verkürzten, häufig rahmenlosen Informationsbombardement verfolgen.

Wer dies macht und die Welt dabei aus der Perspektive eines liberalen Pluralismus heraus betrachtet, demgemäß es in der Gesellschaft kein Machtzentrum, keine (längerfristig weitgehend geschlossene) Elite, keine Herrschaft gibt, sondern viele unterschiedliche Akteursgruppen, die ihren Einfluss einigermaßen ausgeglichen ausüben, so dass sich beim Angebot der Ideen jene durchsetzen, die den grundlegenden Interessen der Mehrheit entsprechen, werden die Auflistung wahrscheinlich eher ablehnen.

Bild: Arne Müseler/ CC-BY-SA-3.0

Im eigenadaptierten, mit Beispielen angereicherten Durchlauf:

Strategie 1: Umlenkung der Aufmerksamkeit

Das Stichwort lautet hier wohl „Unwesentlichkeit“. Aufmerksamkeit ist eine sehr begrenzte Ressource, und wenn eine demokratische Gesellschaft so organisiert werden soll, dass relativ Wenige profitieren, während die meisten Anderen langfristig das Nachsehen haben, muss die Mehrheit mit solchen Dingen beschäftigt werden, die den Partikularinteressen nicht in die Quere kommen. Ein solcher Ablenkungszustand ist unter dem Begriff „Brot und Spiele“ durch Juvenal schon der römischen Republik attestiert worden.

Wer nun einmal auf die Themenauswahl in TV, Radio, Zeitung oder auch in den eigenen oder den Gesprächen seiner Mitmenschen achtet, um sich dann zu fragen, welche Relevanz die einzelnen Themen wohl genau für das eigene oder eben das Leben der Mitmenschen haben, indem er oder sie hierbei den Fokus allerdings auf die Bedingungen zur Aufrechterhaltung einer langfristigen Daseinsfreude (z.B. im Sinne Epikurs) legt und dann überprüft, wie das Verhältnis von Beschäftigungszeit/Aufmerksamkeitsaufwand zu Lebensrelevanz ist, kommt vielleicht zur Erkenntnis, dass man von einer Art „Verkehrung“ der Dinge sprechen kann.

Um es reißerisch zu machen: Sonderangebote im Supermarkt, Tabellenergebnis der Lieblingsmannschaft, Farbe der neuen Übergardinen, Liebesaffäre von Promi XY, Namenskuriosität des Nachbarkindes, Vorzüge von Halbfett- gegenüber normaler Margarine usw. usf. vs. Demontage der Bürgerrechte, Folter, sowie Drohnenmassenmord und Geheimkriege durch westliche „Vorbilder“, fortschreitende Verankerung von Krieg, Rassismus und Prekarisierung in der Normalität, sowie die Verfälschung von Krisenursachen und Beförderung von Krisen durch Herrschaftsideologien usw. [1]

weiterlesen in der Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39675/1.html

Advertisements