Veröffentlicht: Mittwoch, 06. August 2014 17:26
Geschrieben von Jürgen Meyer

Fidel Castro zu Nahost: Neue und widerwärtige Form des Faschismus

von Fidel Castro Ruz

Granma 5. August 2014

quelle: http://internetz-zeitung.eu/index.php/2271-fidel-castro-zu-nahost-neue-und-widerw%C3%A4rtige-form-des-faschismus

RedGobe: Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro veröffentlichte in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung »Granma« einen weiteren Artikel zur Aggression Israels gegen den Gazastreifen. Wir dokumentieren nachstehend die von der Redaktion der »Granma Internacional« besorgte und von uns redigierte deutschsprachige Übersetzung:

Erneut bitte ich Granma nicht um die erste Seite für diese relativ kurzen Zeilen über den Genozid, der an den Palästinensern begangen wird. Ich habe sie schnell niedergeschrieben, um etwas zu protokollieren, das eine gründliche Betrachtung erfordert.

Ich denke, dass in diesem Augenblick der Menschheitsgeschichte, in dem mehr als sieben Millionen Bewohner um das nackte Überleben kämpfen, mit bemerkenswerter Kraft eine neue und widerwärtige Form des Faschismus im Entstehen ist.

Keiner dieser Umstände steht im Zusammenhang mit der Schaffung des römischen Imperiums vor etwa 2400 Jahren oder mit dem nordamerikanischen Imperium in dieser Region der Welt vor kaum 200 Jahren, wie es von Simon Bolívar beschrieben wurde, als er ausrief: »Die Vereinigten Staaten scheinen von der Vorsehung dazu verdammt zu sein, Amerika im Namen der Freiheit mit Elend zu überziehen.« England war die erste wahre Kolonialmacht, die in der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts über große Teile Afrikas, des Mittleren Orients, Asiens, Australiens, Nordamerikas und viele Antilleninseln herrschte.

Ich spreche hier nicht von den Kriegen und den Verbrechen, die vom Imperium der Vereinigten Staaten im Laufe der mehr als 100 Jahre begangen wurden. Ich möchte nur aufzeigen, was es mit Kuba machen wollte und was es mit vielen anderen Ländern auf der Welt gemacht hat. All das beweist uns nur, dass »eine gerechte Idee aus dem hintersten Winkel einer Höhle mehr erreichen kann als eine Armee«.

Die Geschichte ist viel komplizierter als alles bisher Gesagte, aber das ist in groben Zügen, wie sie die Bewohner Palästinas erfahren haben, und es ist gleichermaßen logisch, dass in den modernen Medien die täglich eintreffenden Nachrichten widergespiegelt werden.So ist es bei dem beschämenden und verbrecherischen Krieg im Gazastreifen geschehen, einem Stück Land, wo die Bevölkerung von dem lebt, was von einem unabhängigen Palästina nach kaum einem halben Jahrhundert übrig geblieben ist.

Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete am 2. August: »Der Krieg zwischen der islamistischen palästinensischen Hamas Bewegung und Israel hat zum Tod von annähernd 1.800 Palästinensern geführt, (…) zur Zerstörung Tausender Wohnungen und zum Ruin einer sowieso schon geschwächten Wirtschaft« – obwohl natürlich nicht gesagt wird, wer diesen schrecklichen Krieg angefangen hat.

Danach heißt es: »Bis Samstagmittag hatte die israelische Offensive 1.712 Palästinenser getötet und 8.900 verletzt. Die Vereinten Nationen konnten 1.117 Tote identifizieren, in ihrer Mehrheit Zivilisten. (…) UNICEF zählte die Leichen von mindestens 296 Minderjährigen.«

»Die Vereinten Nationen schätzen, dass etwa 58.900 Menschen im Gazastreifen kein Dach mehr über dem Kopf haben.«

»Zehn von 32 Krankenhäusern mussten schließen und weitere elf sind schwer beschädigt.«

»Diese palästinensische Enklave von 362 Quadratkilometern verfügt auch nicht über die für 1,8 Millionen Einwohner nötige Infrastruktur, vor allem was die Versorgung mit Elektrizität und Wasser angeht.«

»Laut IWF überschreitet die Arbeitslosenquote im Gazastreifen, einem Gebiet, das seit 2006 einer israelischen Blockade unterliegt, 40 Prozent. Im Jahre 2000 lag die Arbeitslosigkeit noch bei 20 Prozent und 2011 bei 30 Prozent. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung ist laut Gisha in normalen Zeiten von humanitärer Hilfe abhängig.«

Die Regierung Israels erklärte für Gaza einen Waffenstillstand aus humanitären Gründen von Montag um 7.00 Uhr GMT an. Einige Stunden später jedoch brach sie diesen Waffenstillstand, als sie ein Haus angriff, in dem 30 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder, verletzt wurden, darunter ein Mädchen von acht Jahren, das später starb.

Frühmorgens am selben Tag starben zehn Palästinenser als Folge eines israelischen Angriffs auf den gesamten Gazastreifen, und damit stieg die Zahl der ermordeten Palästinenser auf etwa 2000.

Das Blutbad nahm ein solches Ausmaß an, dass der französische Außenminister Laurent Fabius an diesem Montag sagte, das Recht Israels auf Sicherheit rechtfertige nicht das »Massaker an Zivilisten«, das sich gerade ereigne.

Der Völkermord der Nazis an den Juden erntete den Hass aller Völker der Erde. Warum glaubt die Regierung dieses Landes, dass die Welt diesem makabren Genozid, der heute an dem palästinensischen Volk begangen wird, gefühllos gegenüber steht? Glaubt man etwa, dass die Komplizenschaft des nordamerikanischen Imperiums an diesem schamlosen Massaker unentdeckt bliebe?

Die menschliche Gattung durchlebt einen Zeitabschnitt, der in der Geschichte ohne Beispiel ist. Ein Zusammenstoß von Militärflugzeugen oder Kriegsschiffen, die sich gegenseitig belauern, oder ähnliche Aktionen können einen Krieg mit den ausgefeiltesten modernen Waffen entfesseln, der sich in das letzte Abenteuer des Homo sapiens verwandeln könnte.

Es gibt Fakten, die die nahezu völlige Unfähigkeit der Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringen, sich den aktuellen Problemen in der Welt zu stellen. Man kann feststellen, dass es keine Regierung in diesem Land gibt – auch keinen Kongress, keine CIA und kein Pentagon – die über das finale Drama entscheiden wird. Es ist wirklich traurig, dass dies zu einem Zeitpunkt geschieht, an dem die Gefahren besonders groß sind – aber auch die Möglichkeiten, voranzukommen. Während des Großen Vaterländischen Krieges verteidigten die russischen Bürger ihr Land wie die Spartaner. Sie zu unterschätzen, war der größte Fehler der Vereinigten Staaten und Europas. Ihre engsten Verbündeten, die Chinesen, die ihren Sieg auf denselben Grundlagen errangen wie die Russen, bilden heute die dynamischste Wirtschaftsmacht der Erde. Die Länder wollen Yuan und keine Dollar, um Waren und Technologien zu erwerben und ihren Handel zu erweitern.

Neue und unverzichtbare Kräfte sind entstanden. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika und deren Bindungen mit Lateinamerika und der Mehrheit der karibischen und afrikanischen Länder, die für ihre Entwicklung kämpfen, bilden die Kräfte, die in unserer Epoche zur Zusammenarbeit mit den übrigen Ländern der Welt bereit sind, ohne dabei die Vereinigten Staaten, Europa und Japan auszuschließen.

Die Russische Föderation zu beschuldigen, den Absturz des malaysischen Flugzeugs herbeigeführt zu haben, ist von einer niederschmetternden Einfalt. Weder Wladimir Putin noch der russische Außenminister Sergej Lawrow und die anderen Führungspersönlichkeiten dieser Regierung würden jemals eine solche Dummheit begehen.

26 Millionen Russen starben bei der Verteidigung ihres Heimatlandes gegen den Nazismus. Die chinesischen Kämpfer, Männer und Frauen, Kinder eines Volkes mit tausendjähriger Kultur, sind Menschen von hoher Intelligenz und unbesiegbarem Kampfgeist und Xi Jinping ist einer der standhaftesten und fähigsten Revolutionsführer, die ich je kennen gelernt habe.

Fidel Castro Ruz

4. August 2014

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