Warum berichten Medien derart einseitig?

   
(26.6.2014) Vielen fällt in den letzten Monaten auf, dass Wladimir Putin in den Medien sehr negativ gezeichnet wird und Barack Obama ausgesprochen positiv. Dies hat jedoch „Tradition“ und nur bedingt mit der sogenannten Ukraine-Krise zu tun, wie die Medienwissenschafterin Sabine Schiffer erklärt.

Sie hat beobachtet, dass besonders die Nachrichtenformate „auffällig einseitig“ sind, was man aus österreichischer Sicht nur bestätigen kann. Putin wurde auch vorher schon systematisch dämonisiert, man brachte ihn gezielt „mit Negativem, mit Gewalt“ in Verbindung. Und aktuell sieht man, dass dieses Muster auf Putin, auf den gestürzten ukrainischen Präsidenten Janukowitsch und auf die „prorussischen Kräfte“ in der Ostukraine angewandt wird.

Und da hakt Schiffer auch ein, denn: sind die wirklich „prorussisch“? Was ist damit gemeint, welche Motive werden ihnen unterstellt? Sind es vielleicht Antifaschisten? „Man müsste analysieren“, aber das findet eben nur selten statt. Schiffer ist generell aufgefallen, dass Informationen fehlen, die belegen müssten, wie die Medien zu ihren Schlussfolgerungen kommen. Es wird einfach so getan, als sei „Putin eine dunkle Gestalt im Hintergrund“, die dann für alles verantwortlich ist.

Schiffers Institut für Medienverantwortung veröffentlicht medienkritische Texte, um diesen zu mehr Beachtung zu verhelfen, etwa eine Bachelor-Arbeit, die sich mit Stereotypen über Putin und Obama befasst. Die Autorin der Studie stellt fest, dass es sich um „jederzeit reaktivierbare“, fest verankerte Bilder handelt. Putin wird negativ wahrgenommen (weil dargestellt), Obama hingegen „sehr positiv“.

Wenn man sich die Wortwahl ansieht, den Kontext, in dem berichtet wird, und die fachliche Seite (also die Fakten, um die es geht), wird deutlich, wie sehr der eine gebasht und der andere gelobt wird. Schiffer nennt als Beispiel die Behauptung, Russland gehe „aggressiv“ vor, denn in Wahrheit haben die USA mehr als 1000 Militärbasen weltweit und Russland ganze 25.

„Obama wird gerne als Träumer mit Perspektiven hingestellt“, also als Visionär, während Putin als „Machtmensch“ gezeichnet wird, der angeblich „alte Sowjetrhetorik“ pflegt und Grossmachtambitionen hegt. „Man muss auch auf bewertende sprachliche Elemente achten“, denn was die „Guten“ wollen, wird zum Beispiel mit „verständlicherweise“ beschrieben. Wenn ein „Böser“ anders als reagiert, als man es ihm unterstellt, ist es „unerwartet“ oder „erstaunlich“ und „sogar“.

Die reagierende wie die agierende Darstellung kann positiv und negativ verwendet werden. Aktion ist „gut“, wenn Obama die Nase vorn hat; negativ ist sie, wenn Putin vorne liegt. Alles in allem ist die Berichterstattung „extrem einseitig“, wie man etwa an den Schüssen am Maidan sieht. Wie kann man sofort wissen, wer verantwortlich sein soll, und mit dem Finger auf den damaligen Präsidenten Janukowitsch zeigen?

Außerdem werden immer wieder „alte Nachrichtensequenzen“ aus anderen Kontexten als neu und aus der Ukraine verkauft. Wer sich dagegen wehrt, und das tun viele SeherInnen, HörerInnen, LeserInnen per Mail, Postings und in Blogs, wird oft als „Verschwörungstheoretiker“ abgekanzelt. Dies ist ein „journalismusfeindlicher“ Begrifft, warnt Schiffer, denn man kann erst nach Recherche wissen, ob es sich um eine „Verschwörung“ handelt oder nicht. Schiffer fordert JournalistInnen dazu auf, endlich wieder ihrer Verantwortung nachzukommen, doch sie weiss auch, dass Einseitigkeit vielfach unbewusst stattfindet.

weiterlesen in der Quelle: http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=3047

 

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